Wir haben es mit Whistleblowing versucht

Letzte Woche habe ich mich entschlossen die Whistleblowing Hotline der englischen Zentralbank anzurufen. Am anderen Ende der Leitung war ein sehr freundlicher Mann. Ich stellte mir vor, wie er in einem großen, gemütlichen Lehnstuhl sitzt mit einer großen Tasse starken Tees, frisch gebrüht und dampfend. Ich sagte, dass ich eine besorgte britische Bürgerin sei, die gerne whistleblowen möchte nicht nur in Bezug auf das britische, sondern das globale Finanzsystem. Ich drückte meine Besorgnis aus über das scheinbar unabwendbare Entstehen einer weiteren Finanzkrise und die möglichen Auswirkungen, die sie auf normale Bürgerinnen und Bürger wie mich, meine Freunde und meine Familie hätte.

Nachdem ich meine Besorgnis erläutert hatte, entstand eine kurze Pause. Dann kam eine wohl überlegte Antwort in einem sanften, beruhigenden und singenden Tonfall: “Okay, richtig, so, wie ich das verstehe, Flora, bist du eigentlich tatsächlich nur eine besorgte Bürgerin, nicht jemand mit einem spezifischen Beispiel eines prozeduralen Fehlverhaltens innerhalb der englischen Zentralbank?” “Nun ja, als meine repräsentative Zentralbank kontrollieren, erhalten und intervenieren Sie in ein Wirtschaftssystem, das ich als fundamental fehlerhaft betrachte. Also in diesem Sinne ist tatsächlich etwas falsch mit ihren Abläufen.”

Wieder die sachte und freundliche Antwort, offensichtlich ist hier einer der ganz wenigen Leute, die wir angerufen haben, der im Zuhören und guter Kommunikation geübt ist: “Das heißt, Sie sind eine Bürgerin, die die Whistleblowing Hotline der eigenen Zentralbank angerufen hat, um Fehlverhalten der eigenen Zentralbank anzuzeigen?” “Ja.” “Oh, ich verstehe, ja, ich denke, dass ist ziemlich interessant, oder?” Er war sehr geduldig mit mir, während ich meine verschiedenen Bedenken vorbrachte und ihm mehrere Fragen stellte. Ich hatte den Eindruck, dass wir schnell eine gute Verbindung aufgebaut hatten, eine kleine, gut gedeihende Konversation, obgleich mit der Attitüde einer Konversation zwischen einem guten Vater und seinem weinenden Kind.

“Ich bin kein Ökonom, Flora, ich fürchte ich kann diese Fragen nicht beantworten, ich habe mein Abitur gemacht, aber mehr nicht… [er kichert freundlich] Und selbst das, ich meine… wir reden hier über eine Zeit, die auch lange zurückliegt, also bin ich nicht gerade so up-to-date wie theoretisch möglich wäre, weil ich mich nun weiterentwickele!” Er nahm es auf sich mich zu trösten und mir zu versichern, “nun ja, Flora, falls es dich beruhigt, ich denke jeder hier arbeitet sehr hart und versucht ganz ehrlich das Beste zu geben für die britische Öffentlichkeit, und ich denke Mark Carney [der Leiter der englischen Zentralbank] ist ein guter Mann und arbeitet sehr hart.”

Leider war das das Einzige, was er mir an Hilfe anbieten konnte, zusammen mit dem Hinweis auf die E-Mail-Adresse des Teams für allgemeine Anfragen. Er verabschiedete sich, in dem er mir einen guten Tag wünschte und sagte “in jedem Fall viel Glück damit, Flora”. Was für ein netter Mann, was für ein Mensch!

Von Flora

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