Kommunikationschef*in oder professionelle*r Nicht-Kommunikator*in?

In den meisten Fällen, in denen wir eine*n Mitarbeiter*in einer relevanten Abteilung einer Regulierungsinstitution an den Hörer bekommen, wird uns mitgeteilt, dass wir uns per E-Mail an die Kommunikationsabteilung bzw. die Pressestelle wenden sollen. Immer wieder bekommen wir zu hören, dass “jeglicher Austausch mit externen Personen oder Organisationen ausnahmslos über die Abteilung für Öffentlichkeitsarbeit stattfindet.” (ESMA)

In diesen Abteilungen sind die Mitarbeiter*innen mit großer Sorgfalt dazu ausgebildet worden, die Anfragen Externer abzufangen. Sie sind dabei erste und wichtigste Verteidigungslinie gegen die wohl gefährlichsten und bösartigsten Angreifer*innen überhaupt: ganz normale Bürger*innen, deren Leben sie beeinflussen. Nach einem besonders nervenaufreibenden Anruf schickten wir einer dieser besagten Abteilungen folgende E-Mail:

“Sehr geehrte Frau X,

ich möchte mich entschuldigen, falls dieser Anruf eine gewisse Frustration bei Ihnen ausgelöst hat, aber ich kann Ihnen versichern, dass es mir da genauso geht. Was ich ganz besonders frustrierend finde ist, dass ich glaube, dass Sie ein netter Mensch sind, dass jedoch die Institution, in deren Namen Sie mit mir sprechen, Sie in Ihren Möglichkeiten, mir zu helfen, einschränkt. Das wirkt auf mich in zweierlei Hinsicht verkehrt: zum einen da, wie ich es bereits am Telefon erwähnte, diese Institution [ESMA, arbeitet für die EU] als solche dazu da sein sollte, normale Leute wie mich zu vertreten anstatt gegen uns zu arbeiten und es uns unmöglich zu machen, Zusammenhänge im Finanzwesen zu verstehen (welche von Ihnen kontrolliert werden und einen direkten Einfluss auf unsere Leben haben). Und zum anderen frustriert es mich, dass Sie ironischerweise in einer Abteilung für Kommunikation arbeiten, während Ihr eigentlicher Job darin zu bestehen scheint, auf professionelle Art und Weise jegliche Kommunikation zu unterbinden. Ich hoffe sehr, dass Sie die tägliche Routine, die damit einhergeht, als emphatischen und individuellen Menschen nicht vollkommen fertig macht. Mehr als hoffen kann ich nicht.

Was nun die konkreten Fragen angeht, auf die wir sehr gerne Antworten von Expert*innen hätten, habe ich Ihnen hier eine Auswahl zusammengestellt. Diese Fragen wurden uns von der Öffentlichkeit gestellt, also würden wir es begrüßen, wenn Sie sie in einfachen Worten, also möglichst ohne Fachjargon, beantworten würden.

Wie kann sich die Finanzpolitik immer noch dafür einsetzen, dass die Reichen immer reicher und die Armen noch ärmer werden? Sind Derivate immernoch zur Spekulation zugelassen (und demnach nicht an ein real existierendes Darlehen gebunden, um das Langzeitrisiko unter Kontrolle zu halten)? Wenn ja, warum? Hier ist nur ein Beispiel – Vestia (eine niederländische Wohnungsbaugesellschaft), die bankrott ging aufgrund von Spekulationen mit Derivaten: https://www.afm.nl/nl-nl/nieuws/2014/nov/boete-abn-amro
Warum gibt es kein Gesetz, das Führungskräfte in die Verantwortung nimmt für den Schaden, den Sie anrichten? Inwiefern bezieht die Institution, in der Sie arbeiten, Nachhaltigkeitsaspekte in ihre Unternehmenspolitik mit ein? In welcher Hinsicht ist die neue zentrale Struktur des Derivat-Marktes “Hub and Spoke” auf systemischer Ebene risikoärmer als zuvor? Und wer finanziert und verwaltet den zentralen Hub? Was ist mit dem Problem des subjektiven Risikos?

Danke für Ihre Zeit. Ich gehe davon aus, dass ich schon sehr bald wieder mit Ihnen oder einem*r Ihrer Kolleg*innen sprechen werde.”

Wir haben bisher noch keine Antwort erhalten und bereits mehrmals angerufen, doch leider nur den Anrufbeantworter erreicht… Wir bleiben dran!

Von Flora

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